Über das Heute von gestern und das Morgen von heute

Datum 14. September 2014
Beginn 17:30 Uhr
Ende 19:00 Uhr
Veranstaltung Diskussion
Ort Haus der Berliner Festspiele
Mit Peter Glaser (Autor/Blogger), Christian Kobald (Kurator, Redakteur „Spike Art Magazine“), Anja Kümmel (Autorin, u.a. „Träume Digitaler Schläfer“), Christine Watty (Moderation)

Wie das Digitale unsere Wahrnehmung von Realität verändert

Mit welchen Utopien wurde die digitale Zukunft früher gedacht? Wie denken wir sie heute – nach dem Verlust der Netzutopie durch den NSA-Skandal im vergangenen Jahr? Gibt es Parallelen, wie sich digitale Zukunft damals und heute im Denken konkretisiert? Zu welchem Zweck wird sie entworfen? Welche Prämissen, Weltentwürfe, Begrifflichkeiten, theoretischen Ansätze von Retrofuturismus über Science Fiction bis Cyberpunk stehen dahinter? Und welche Rolle spielen dabei Künstler und künstlerische Herangehensweisen?

Jean-François Lyotard kuratierte 1985 die Ausstellung „Les immatériaux“ am Centre Pompidou, welche die Einflüsse einer zunehmenden Technisierung auf Denken und Lebensformen erörterte. Dazu schreibt er: „Auch die Apparate selbst werden immer komplizierter. Eine Etappe war zurückgelegt, als ihre künstlichen Gehirne anfingen, mit Digital-Informationen zu operieren, mit Informationen ohne Analogie zu ihrem Ursprung. Es ist, als hätte man zwischen uns und den Dingen einen Filter gesetzt, einen Schirm von Zahlen. Eine Farbe, ein Ton, ein Stoff, ein Schmerz oder ein Stern kommen zu uns zurück als Zahlen auf Kennkarten von größter Genauigkeit.“

Ausgehend von Lyotards Thesen diskutieren über digitale Zukunftsentwürfe von gestern und heute in Philosophie, Kunst und Literatur: Peter Glaser (Autor und Blogger, Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs), Christian Kobald (Kurator, Redakteur) und Anja Kümmel (Autorin).

Eine Veranstaltung von Netzkultur, einer Veranstaltungsreihe der Berliner Festspiele und der Bundeszentrale für politische Bildung.
Weitere Veranstaltungen in dieser Reihe sind ein literarischer Gameathon für Autoren und Programmierer am 13. August in Köln im Rahmen des Games Convention, der auf das computerisierte und das klassische Erzählen digitaler Welten schaut, und die Präsentation der Ergebnisse dieses Workshops durch die Programmiererin und Interaction-Designerin Grit Schuster am 14. September im Rahmen des ilb.

Peter Glaser (Foto Karola Riegler)
© Karola Riegler

Peter Glaser, 1957 als Bleistift in Graz geboren, wo die hochwertigen Schriftsteller für den Export hergestellt werden. Lebt als Schreibprogramm in Berlin. Begleitet die Entwicklung der digitalen Welt seit Ende der 1970er Jahre. Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs. Für die Titelerzählung seines Buchs „Geschichte von Nichts” 2002 mit dem Ingeborg- Bachmann-Preis ausgezeichnet. Essayist und Publizist, u.a. für die „Neue Zürcher Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“, „Die Zeit“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, „Der Spiegel“, „c’t“, „Brand eins“, „Vogue“, „Rolling Stone“. Betreibt das Blog „Glaserei” bei der NZZ, bloggt für die deutsche Ausgabe der „Technology Review“. Kolumnist für die „Futurezone“ (Österreich) und die „Stuttgarter Zeitung“.

Christian Kobald © Joanna Pianka
© Joanna Pianka

Christian Kobald, geboren 1969, Kurator, zuletzt von „Zum Beispiel ‚Les immatériaux’“, Kunstverein Düsseldorf (kuratiert gemeinsam mit Hans-Jürgen Hafner) und Redakteur von „Spike Art Quarterly“. Er unterrichtet an der Universität für angewandte Kunst Wien. Studium der Philosophie (Universität Wien) und Kunst-, Kultur- und Geistesgeschichte (Hochschule für angewandte Kunst Wien). Er lebt in Berlin. christiankobald.at

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© Kai-Erik von Ahn

Anja Kümmel, geboren 1978 in Karlsruhe. Sie studierte Gender Studies und Spanisch in Los Angeles, Madrid und Hamburg. Seit 2009 ist sie als freie Autorin und Journalistin tätig. Bisher veröffentlichte sie vier Romane, zuletzt „Träume Digitaler Schläfer“ (2012) und wurde mit verschiedenen Stipendien ausgezeichnet, u.a. dem Literaturstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. anjakuemmel.com

„Kümmels Buch [...] dürfte das derzeit beste deutschsprachige Beispiel für eine relativ junge Richtung der erzählenden Möglichkeitsforschung sein …“ (Dietmar Dath über „Träume Digitaler Schläfer“, in: „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 7. November 2013)

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© privat

Christine Watty ist freie Journalistin, Brillen-Cyborg und digital immigrant. Hat ihre ersten Texte noch auf Schreibmaschine für den Lokalteil einer gedruckten Zeitung geschrieben. Außerdem Jura in Hamburg und Alicante studiert, anschließend das Radio als ihr Medium entdeckt. Heute arbeitet sie hauptsächlich als Autorin, Moderatorin und Redakteurin für Deutschlandradio Kultur und den WDR. Ihre Themen: das Internet, die (digitale) Gesellschaft, Kultur, Politik und Musik. Also fast alles.
Mehr auf http://breitband.deutschlandradiokultur.de und www.chwatty.de.