E-Books, Apps und Nachrichten auf Karton: Wie Systeme gehackt werden

Datum 18. Januar 2014
Beginn 20:30 Uhr
Ende 21:30 Uhr
Veranstaltung Gespräch (in englischer Sprache)
Ort Seitenbühne
Mit Rachel Coldicutt (Culture Hack, Agentur Caper), Volker Oppmann (Initiator von LOG.OS), Ward Al-Assi (Kartoneh from Deir Ezour)

„Das Internet ist kein Medium, sondern eine Vernetzungsmaschine“, hat der US-amerikanische Netzjournalist Jeff Jarvis einmal gesagt. Und es ist mittlerweile zu einem produktiven Nicht-Ort geworden, an dem künstlerische Arbeit organisiert, geplant, umgesetzt und verbreitet wird. Menschen, die nicht zur gleichen Zeit oder am gleichen Ort, jedoch an einer gemeinsamen Aufgabe oder an einem Projekt arbeiten, können sich austauschen, Inhalte bearbeiten, anderen zur Verfügung stellen. Wie verändert digital-analoge Kollaboration die künstlerischen Beziehungen und Arbeitsprozesse? Welche Chancen und Herausforderungen stecken in der nicht-verorteten, aber vernetzten Kulturarbeit? Eine Diskussion über praktische Erfahrungen der digitalen Zusammenarbeit und ihren politischen Implikationen: Hack Days in Kulturinstitutionen, bei denen Programmierer und Designer innerhalb von 24 Stunden praktische Apps entwickeln, künstlerisch-politischer Facebook-Aktivismus aus Syrien und die Frage nach anderen Zugangsrechten zu Kulturgütern und Gegenmodellen zu Netz-Monopolisten wie Amazon.

© Rachel ColdicuttRachel Coldicutt leitet die Digitalagentur Caper, für die sie Webcontent- und Innovationsprojekte für Kulturorganisationen entwickelt. 2010 initiierte sie etwa das Programm „Culture Hack“, bei dem Kulturorganisationen mehr über das kreative Potenzial von Technologie und Datenauswertung erfahren. Seitdem haben mehr als 100 Institutionen und 300 Künstler, Technologie-Experten und Designer an Culture-Hack-Veranstaltungen teilgenommen und dabei digitale und physische Prototypen entwickelt.

fabricofthings.wordpress.com
Twitter: @rachelcoldicutt

 

 

© Volker Oppmann
© Volker Oppmann

Volker Oppmann, 1975 geboren, studierte Germanistik und Skandinavistik in Bonn und Bergen (Norwegen). 2002 sammelte er bei Rogner & Bernhard in Hamburg erste Verlagserfahrung. Im Herbst 2007 gründete er den Berliner Independent-Verlag ONKEL & ONKEL. Unter dem Label textunes wurde Oppmann im Herbst 2008 erster Anbieter von eBook-Apps auf dem deutschen Markt. Von Herbst 2011 bis März 2013 war er verantwortlich für die Digital-Sparte bei Thalia. Oppmann ist Gründer des Fördervereins LOG.OS, der sich dafür einsetzt, ein offenes und gemeinnütziges „Betriebssystem für den Buchmarkt“ als Alternative zu Amazon und anderen Anbietern zu schaffen.

log-os.info
Twitter: @onkelvolker

 

 

 

Kartoneh From Deir Ezour
© Ward Al-Assi

Ward Al-Assi, geboren 1980 in Deir ez-Zor im Osten Syriens, studierte Journalismus und Film in Damaskus. Er arbeitet als unabhängiger Filmemacher in Syrien, unter anderem produzierte er das dokumentarische Cartoon mit der Katze Abu Eskander, die durch eine zerstörte Stadt streunt und die politische Lage kommentiert. Außerdem betreut er die oppositionelle Internet-Informationsplattform Kartoneh From Deir Ezour, die eine künstlerische Form des politischen Aktivismus betreibt. Mit der immer gleichen Ästhetik von bunter Kreide auf schwarzem Karton schicken die Aktivisten aus der syrischen Stadt Deir ez-Zor Nachrichten von vor Ort oder kommentieren Dinge, die im Land passieren. Deir ez-Zor ist zwar eine der größten Städte Syriens, da sie weit im Osten, am Ufer des Euphrats liegt, medial allerdings kaum abgedeckt. Sie wurde bereits stark zerstört.

facebook.com/kartoneh.from.deir.ezour

 

© Anjana Shrivastava
© Anjana Shrivastava

Anjana Shrivastava ist eine amerikanische Journalistin. Während des Irakkrieges gründete sie die Gesprächsreihe Die Neue Weltbühne für die Bundeszentrale für politische Bildung. Seitdem vermitteln dort Redner wie Lawrence Lessig, Art Spiegelman, Sebastian Junger und Evgeny Morozov Botschaften eines alternativen Amerikas in Berlin. Sie studierte Europäische Geschichte an der Harvard Universität und Kreatives Schreiben an der University of East Anglia. Ihre Arbeiten erschienen in Zeitungen und auf Internetplattformen wie dem „Wall Street Journal Europe“, „Spiegel Online“, und „Die Welt“.